Alisan-Turan

Das ist die Geschichte von Alisan-Turan. Er starb im Alter von zwei Jahren, im November 2001, in Berlin-Wilmersdorf. Seine Mutter hatte ihn einfach in der Wohnung zurückgelassen. Alisan ist verhungert und verdurstet.

Seit Alisans Mutter vierzehn Jahre alt war, lebte sie lieber auf der Straße als daheim. Sie nahm Drogen und ging auf den Strich. Mit sechzehn verliebt sie sich und wird schwanger. Der Vater, des noch ungeborenen Kindes, Alisan wird aus Deutschland abgeschoben. Alisans Mutter weiß nicht mehr weiter und kehrt, im siebten Monat schwanger, nach Hause zu ihren Eltern zurück. Doch daheim hält Alisans Mutter es nicht lange aus. Sie geht zurück auf die Straße. Nach Alisans Geburt versucht sie ihr Leben zu ordnen, zieht mit ihrem kleinen Sohn in eine Wohnung, wird sesshaft. Die kleine Familie wird von einer Sozialarbeiterin betreut. Die Sozialarbeiterin hatte jedoch stets ein gutes Gefühl bei den beiden und war sich sicher, dass Alisans Mutter alles in den Griff bekommen hat. Aus diesem Grund endete, im März 2001, die Betreuung durch die Sozialarbeiterin.

Alisans Mutter will ihre Drogen- und Prostitutionsgeschichte vergessen. Sie zieht mit Alisan-Turan zu einem Mann, den sie kennen gelernt hatte. Sie will neu anfangen. Doch nach ein paar Tagen setzt der neue Freund, unter Einfluss von Drogen, die beiden mitten in der Nacht vor die Tür.

Nach diesem Erlebnis nimmt Alisans Mutter wieder Drogen. Sie geht kaum noch aus dem Haus, ihre Wohnung verwahrlost. Niemand bemerkt diesen Rückschlag im Leben von Alisans Mutter. Obwohl Alisans Mutter in einem Haus mit vielen Nachbarn wohnt, wird niemand auf sie aufmerksam, jeder hört und schaut weg.

Im November 2001 verlässt Alisans Mutter die Wohnung und kommt nicht wieder. Ihren kleinen Sohn lässt sie allein in der Wohnung zurück. Alisans Mutter verbringt ihre Zeit in Diskotheken und schläft bei Bekannten. Jedem erzählt sie eine andere Geschichte über den Verbleib des kleinen Alisan.

Alisan ist sich selbst überlassen. Weil Alisan noch zu klein war, um die Türklinken zu erreichen, kam er nicht aus der Wohnung. Weil Alisan noch zu klein war, um den Wasserhahn zu erreichen, konnte er nichts trinken. Da alle Fenster der Wohnung geschlossen waren, hörte wohl niemand seine Schreie. Er bekam als Folge von Nahrungs- und Flüssigkeitsmangel erst Bauch- und Kopfschmerzen, dann Krämpfe und erbrach sich. Sein schrecklicherTodeskampf dauerteTage.

Niemand im Haus wunderte sich, dass Alisans Mutter nicht mehr zu sehen war. Niemand im Haus stört sich an dem beißenden Geruch, der aus der Wohnung dringt. Bis zum 05. Januar 2002. An diesem Tag alarmierten die Nachbarn doch die Polizei, da der Geruch im Haus unerträglich geworden war.

Die Polizeibeamten brechen die Wohnungstür auf . Im Schlafzimmer der Wohnung, zwischen Sessel und Bett, zusammengekauert auf dem Boden liegend, entdeckten die Polizeibeamten die mumifizierte Leiche von Alisan.

Die Wohnung lag unter zwei Kubikmetern Müll begraben, 250 gebrauchten Windeln und verdorbenem Essen.

Später gesteht die Mutter, dass Alisan sterben sollte, weil er immer störte wenn sie umherziehen wollte und er dem Vater so ähnlich sah.

Gerichtsurteil:
Alisans Mutter wurde im Februar 2003 wegen grausamen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Dieses Urteil wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Zwar stellte der Bundesgerichtshof nicht in Frage, dass Alisans Mutter am Tod ihres Sohnes schuldig sei, jedoch sollte die Frage der Schuldfähigkeit geklärt werden. Wäre die Mutter nicht im Stande gewesen zu erkennen, z.B. als Folge einer seelischen Störung, dass sie folgenschwer handelt, hätte sie dadurch auch nicht das Unheil abwenden können, weil sie dazu faktisch einfach nicht in der Lage gewesen wäre.

In zweiter Instanz wurde Alisans Mutter letztendlich wegen einer psychischen Störung vom Landgericht Berlin eine verminderte Schuldfähigkeit zugesprochen und sie wurde im September 2004 zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt.