Daniel

Die Geschichte von Daniel beginnt mit seiner Geburt, am 14. Oktober 2006, im Eisenacher Klinikum und endet, sieben Monate später, am 21./22. Mai 2007, in Dippach an der thüringisch-hessischen Grenze.

Drei Jahre vor Daniels Tod hatten sich seine Eltern während eines Thailand-Urlaubes kennengelernt. Daniels Vater stammte gebürtig aus Deutschland und holte seine Frau nach dem Urlaub mit zu sich nach Dippach, einen 1100-Seelen-Ort. In einem dortigen Wohnhaus lebte das Paar, allerdings in abgetrennten Wohnbereichen. Daniels Mutter hatte sich im Laufe der Zeit ins Dorfleben integriert, denn inzwischen lebten auch vier weitere Thailänderinnen in dem kleinen Ort, darunter auch ihre Schwester. Alle pflegten untereinander Kontakt und Daniels Eltern waren laut Aussagen absolut unauffällig. Die Beziehung soll harmonisch gewesen sein, es habe keine großen Streitereien gegeben. Auch war wohl das Mutter-Kind-Verhältnis, Beschreibungen zufolge, sehr innig.

„Sie war immer nett und freundlich auf der Straße und grüßte“, erzählt eine Nachbarin. „Niemand würde ihr ein derartiges Verbrechen zutrauen“. Quelle: tlz.de, 22.05.2007

Somit deutete augenscheinlich nichts auf einen schweren Konflikt und auf die tragischen Ereignisse hin, die folgen sollten.

Am Morgen des 22. Mai 2007 betritt Daniels Vater die Wohnung seiner Frau und findet diese mit Stichverletzungen im Oberkörper auf. Sein kleiner Sohn aber ist tot. Er informiert den Rettungsdienst und die Polizei. Daniels Mutter wird in ein Krankenhaus gebracht. Daniel hingegen in die Gerichtmedizin.
Alles deutete darauf hin, dass Daniels Mutter ihren erst sieben Monate alten Sohn getötet hat und dann versuchte, sich selbst das Leben zu nehmen. Sie wurde festgenommen und wurde im Krankenhaus, bis zum Abschluss der Behandlung ihrer Verletzungen, von der Polizei bewacht.

Die Obduktion ließ keinen Zweifel daran, dass Daniel von seiner Mutter mit einem Elektrokabel erdrosselt worden ist. Zudem gestand sie die Tat mit den Worten:

„Ich wollte das Kind nicht mehr haben.“ Quelle: Spiegel.de 23.05.2007

Die Landtagsabgeordnete Dagmar Schipanski sagte zum Tod von Daniel:

„Es ist eine Tragödie, die kein Ende zu finden scheint.“
„In den vergangenen Wochen haben Jugendämter, Kliniken, Verbände, Politik und die Medien alles getan, um Hilfsangebote für Familien in verzweifelten Situationen bekannt zu machen. Und nun ist erneut für ein Kind jede Hilfe zu spät gekommen.“ Sie hoffe, dass diese Ereignisse die Menschen im Land weiter sensibilisiere, auf ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn zu achten und gegebenenfalls Unterstützung anzubieten. „Vom Babykorb über anonyme Geburt, Adoption und Pflege bis zu Helfern in den Familien vor Ort ist das Angebot in Thüringen vorhanden und wird von vielen Menschen gerne angenommen. Umso entsetzlicher ist es, wenn diese Unterstützung nicht genutzt wird und nun erneut ein Kind sterben musste. Wir müssen mehr aufeinander achten, damit so etwas nie wieder passiert.“ Quelle: eisenachonline.de, 22.05.2007

Gerichtsurteil:
Trotz des Geständnisses der Mutter, ihren kleinen Daniel getötet zu haben, wurde sie im Prozess freigesprochen. Zur Tatzeit hätte sie, laut Gutachteraussagen, unter einer psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie gelitten. Das Urteil rechtfertigte das Gericht mit ihrer verminderten Schuldfähigkeit. Nach Ansicht des Gerichts sei Daniels Mutter nicht gemeingefährlich und es wird nicht davon ausgegangen, dass sie eine solche oder ähnliche Tat noch einmal wiederholen wird.

Zuvor hatte der Gutachter ausgeführt, die Steuerungsfähigkeit der Frau sei zum Zeitpunkt der Tat „vollkommen ausgeschaltet“ gewesen, es habe sich aber um eine „einmalige Episode“ gehandelt. Deshalb sei es auch nicht nötig, die 32-Jährige in den Maßregelvollzug einzuweisen. „Dazu fehlen die Voraussetzungen, die Angeklagte ist nicht gemeingefährlich.“ Quelle: Tagesspiegel.de, 02.04.2008

 

Rein objektiv hat die Angeklagte eine schwere Straftat begangen, sie hat ihr Kind erdrosselt, aber sie handelte nicht schuldhaft“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Quelle: Tagesspiegel.de, 02.04.2008

Dieses Urteil, sowie die Begründung, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung.