Daniel

Dies ist die Geschichte von Daniel aus Oberweißbach in Thüringen.

Im Februar 2010 wurde er geboren, aber seinem Leben und damit seiner Geschichte wurde schon elf Wochen später ein jähes Ende gesetzt. Am 16. Mai 2010 stirbt Daniel mit nur zweieinhalb Monaten an einem Schädel-Hirn-Trauma, ausgelöst durch den Lebensgefährten seiner Mutter.

Einige Zeit vor der Geburt von Daniel, im Sommer 2009, lernte seine Mutter ihren neuen Lebensgefährten via Internet kennen. Obwohl Daniel nicht sein leibliches Kind war, war er bei dessen Geburt anwesend und wollte ihn wie sein eigenes Kind großziehen. Anfang Mai 2010 bezog das Paar eine gemeinsame Wohnung in Oberweißbach (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt).

Zwischen dem Paar kam es jedoch vermehrt zu Streitigkeiten. Zudem sei er auch ihr gegenüber mindestens drei Mal gewalttätig gewesen, so sagte Daniels Mutter im späteren Prozess aus. Als sie schwanger war, habe ihr Lebensgefährte sie gewürgt.

Gegenüber Daniel aber habe sich ihr Lebensgefährte stets „normal“ verhalten. Je nach Laune habe er sich um Daniel bemüht und sie vertraute ihm. Lediglich, wenn er Daniel zu dessen Belustigung in die Luft warf, ermahnte sie ihren Lebensgefährten.

Dabei begannen schon wenige Wochen nach der Geburt von Daniel die Misshandlungen durch seinen Ziehvater, immer dann, wenn seine Mutter außer Haus war. Mindestens zwei Wochen lang hatte er Daniel wiederholt gequält und ihm dabei unsagbare Schmerzen zugefügt. Er schlug ihm mit der Hand oder mit der Faust auf den Unterarm, dabei wurde die Speiche gebrochen. Auch warf er ihn mit voller Wucht auf den Boden, wodurch Daniel einen Bruch am Schädel- und Schläfenbein erlitt. Neben Rippenbrüchen hatte Daniel auch unzählige blaue Flecken im Gesicht. Seiner Mutter fielen diese zwar auf, jedoch ließ sie sich von ihrem Lebensgefährten mit der Aussage „ihm sei schwarz vor Augen geworden und Daniel sei heruntergefallen“ jedes Mal aufs Neue täuschen und suchte auch keinen Arzt auf.

Am 14. Mai 2010 erledigte Daniels Mutter einige Besorgungen, während ihr Lebensgefährte daheim auf Daniel aufpassen sollte. Nach einem Anruf durch ihren Lebensgefährten, in dem er ihr mitteilte, ihm sei wieder einmal schwarz vor Augen geworden und Daniel sei auf eine Bettkante und anschließend auf den Boden gefallen, kehrte sie in die Wohnung zurück. Daniel hatte blaue Flecken auf der Stirn und Schwellungen unter seinen Augen. Doch wieder nahm sie von einem Arztbesuch Abstand, weil sie, wie sie aussagte, Angst vor ihrem Lebensgefährten hatte.

In der Nacht zum 16. Mai 2010 ging Daniels Mutter spät zu Bett. Ihr Lebensgefährte hingegen wollte noch „zocken“ und sich dabei auch, falls nötig, um Daniel kümmern. Am frühen Morgen weckte er sie und sagte ihr, dass kurz bevor er sich auch ins Bett legen wollte, Daniel wach geworden sei. Er habe ihn aufs Sofa gelegt, weil er vorher noch schnell eine rauchen wollte und anschließend sei er mit Daniel in die Küche gegangen um den Wasserkocher zu befüllen. Auf einmal sei ihm wieder schwarz vor Augen geworden und er habe das Bewusstsein verloren. Als er wieder zu sich kam, hätte Daniel bewusstlos auf dem Boden gelegen. Mit einer Herzdruckmassage und kräftigem Schütteln wollte er dessen Leben retten.

Tatsächlich aber hatte er Daniel gepackt, heftig geschüttelt und warf ihn dann auf den gefließten Fußboden in der Küche.

Daniels Mutter erzählte rückblickend unter Tränen, sie habe ihren kleinen Sohn in den Arm genommen, seinen Herzschlag gehört und in seine Wiege gelegt.

Dann verständigte sie den Notarzt, doch die Hilfe kam zu spät. Die eintreffenden Ärzte konnten nur noch Daniels Tod feststellen.

Welches Martyrium Daniel hinter sich hatte, zeigte die anschließende Obduktion auf:

  • Schläfen- und Scheitelbein waren gebrochen, ebenso wie Elle und Speiche eines Armes und drei seiner Rippen
  • ein gerissenes Lippenbändchen
  • Hämatome im Gesicht
  • ein Schütteltrauma, welches schließlich zu seinem Tod führte

Die ermittelnden Beamten konfrontierten den Lebensgefährten mit den Obduktionsergebnissen und dass diese nicht im Einklang mit seinen Schilderungen stehen könnten. Sodann kam er in Untersuchungshaft und gegen ihn wurde Anklage wegen Totschlag und Misshandlung Schutzbefohlener erhoben.

Gerichtsurteil:
Im Prozess äußerte sich der Lebensgefährte vorerst nicht zu den Vorwürfen, erzählte dafür aber freizügig von seiner doch schwierigen Kindheit, wobei er diese auch zeitweise im Heim verbrachte. Erst zum Abschluss der Beweisaufnahme gab er an, Daniel geschüttelt zu haben, weil dieser „komisch geatmet“ habe. Das Gericht sah dies als Teilgeständnis an.

Auch wurde die Aussage des Mannes, er habe gesundheitliche Probleme und hätte dadurch immer wieder Schwindelanfälle, durch eine Spezialuntersuchung widerlegt.

Der Richter stellte hierzu auch klar, dass diese Verletzungen allein durch stumpfe Gewalt verursacht worden waren.

Hinzu kam, dass der Lebensgefährte in der Untersuchungshaft gegenüber seinen Mitgefangenen verlauten ließ, die Version mit den Schwindelanfällen und dem Hinfallen, hätte er sich nur als Verteidigung ausgedacht, weil er auch Daniels Mutter die Schuld anlasten wollte.

Dem Richter entzog es sich aber auch seinem Verständnis, dass Daniels Mutter keinen Arzt aufgesucht habe.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten dreizehn Jahre Haft für den Lebensgefährten, wohingegen die Verteidigung nur auf sechs Jahre plädierte.

Im März 2011 wurde der Lebensgefährte wegen Misshandlung Schutzbefohlener in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und in Tateinheit mit Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt.