Dennis

Laterne-Dennis-Cottbus-sephia_1Diese Geschichte erzählt über das Leben und den Tod des kleinen Dennis. Dennis ist am 20. Dezember 2001 im Alter von sechs Jahren gestorben. Er erlag den Folgen lebenslanger Unterernährung. Er wurde am 21. Juni 2004 tot in einer Tiefkühltruhe in der elterlichen Wohnung in Cottbus aufgefunden.

Dennis kam am 04. Januar 1995 als siebtes von insgesamt elf Kindern zur Welt. Dennis lebte die ersten eineinhalb Jahre in einem Kinderheim. Denn die Mutter, die zuvor in den Jahren 1981, 1984, 1985, 1986, 1992 und 1993  schon Kinder bekam, war mit so vielen kleinen Kindern überfordert . Zudem versuchte sie sich, nach Dennis´ Geburt, selbst zu töten.

Dennis´ Geschwister folgten 1996, 1997, 1998 und 1999. Drei Kinder gab die Mutter zur Adoption frei, drei weitere kamen ins Kinderheim. Dennis kehrte im September 1996 als gesunder und normal entwickelter, kleiner Junge zu seinen Eltern und seinen noch verbliebenen Geschwistern zurück. Seinen Eltern war Dennis völlig fremd, es bestand keine Bindung und es wurde, seitens seiner Eltern, auch nie eine Bindung zu ihrem kleinen Sohn aufgebaut. Dennis besuchte anfangs eine KiTa, wurde dann aber von seinen Eltern wieder abgemeldet.

Ab diesem Zeitpunkt gab es niemanden mehr, der sich für Dennis interessierte. Er wuchs ohne jegliche emotionale Zuwendung auf. Ganz und gar lieblos, gefühllos, mitleidlos. Im Jahr 2000 stellen seine Eltern wohl auch vollkommen andere Grundbedürfnisse, wie z.B. die Nahrungsaufnahme, ein.

Dennis starb schließlich an Unterernährung. Laut Rekonstruktionen wog er zum Todeszeitpunkt nur noch fünf Kilo. Zum Vergleich: ein normal genährter Sechsjähriger wiegt um die 24 Kilo. Zudem maß er knapp 90cm (gesunde Kinder seines Alters messen ca. 116cm). Da Dennis nachts vor Hunger, auf der Suche nach Essen, durch die Wohnung lief und seine Eltern beim Schlafen störte, wurde er ans Bett gefesselt. Am Ende hatte sein Körper alle Reserven aufgebraucht, er war ausgezehrt.

Dennis konnte monatelang wegen des Hungers nicht mehr richtig laufen, sprechen oder gar sitzen. Bis zu seinem Tod blieb Dennis bei vollem Bewusstsein.

Auch Behörden unternahmen nichts, als Dennis beispielsweise nicht zur Einschulung erschien. Die Mutter erzählte, er habe einen Unfall gehabt und müsse anschließend in die Rehabilitationsklinik. Allerdings fragte auch später niemand noch einmal nach.

Eine Sozialarbeiterin, die zwei Mal im Monat in den Kühlschrank schaute, um die beantragten Lebensmittelgutscheine zu genehmigen, hatte ebenfalls nichts gemerkt. Sie würde nicht einmal wissen, wie viele Kinder eigentlich in der Wohnung herumliefen. Lediglich Uringeruch fiel ihr auf. Erst als im Juni 2004 eine Mitarbeiterin der Angeklagten nicht mehr glaubte, wurde Dennis, endlich nach drei Jahren, in der Wohnung gefunden.

Nachbarn schien das Verschwinden ebenfalls nicht sonderlich aufzufallen. Wenn doch mal jemand nachfragte, erzählte die Mutter, er sei wegen einer Krankheit im Krankenhaus.

Dennis´ Geschwister wurden nach dem Fund in einem Heim untergebracht.

Beisetzung:
Selbst im Tod fand Dennis keinen Frieden. Die angesetzte Trauerfeier wurde von seinen Eltern, ohne Angaben von Gründen, abgesagt. Trotzdem alles bereits vorbereitet war, die Urne an ihrem Platz stand und das Grab ausgehoben. Schließlich fand die Beisetzung anonym statt. Teilgenommen haben lediglich die Eltern, drei Geschwister und ein Anwalt. Allen anderen wurde es untersagt. Auf Dennis´ Grab ist weder ein Name, ein Geburts- oder Todestag zu finden. Nichts sollte an Dennis erinnern.

Gerichtsurteil:
Verurteilt wurden die Eltern von Dennis zunächst zu einer lebenslangen Haftstrafe, aufgrund von Mord durch Unterlassung und Missbrauch von Schutzbefohlenen. Zu Mord wurden sie aufgrund der Grausamkeit gegenüber dem Jungen verurteilt. Sie hatten ihm eineinhalb Jahre beim Verhungern zugesehen.

Jedoch legten sie Revision ein, knapp ein Jahr später.

Das Urteil lautet nun Totschlag und Kindesmisshandlung. Für die Mutter bedeutet dies eine Haftstrafe von 13 Jahren und für den Vater 11 Jahre. Denn es sei keine Grausamkeit wie er so gestorben sei. Er hätte ja schon 1,5 Jahre vorher keinen Hunger mehr gespürt.