Finn-Bastian

Die Geschichte von Finn-Bastian beginnt am 25. März 2009, dem Tag seiner Geburt, und endet zehn Wochen später, am 29. Juni 2009.

Der kleine Finn-Bastian wurde als Frühchen in der 30. Schwangerschaftswoche geboren und wog nur etwas über 1 Kilogramm. Er lebte mit seiner Mutter in Reutlingen. Vier Jahre zuvor hatte diese bereits schon ein Kind zur Welt gebracht, für welches ihr aber das Sorgerecht entzogen worden ist, da sie, nach Ansicht von Fachleuten und dem Vormundschaftsgericht, mit der Versorgung überlastet war. Ihr Kind wurde in die Obhut einer Pflegefamilie übergeben.

Bei Finn-Bastian entschieden die Behörden allerdings, dass seine Mutter sehr wohl in der Lage wäre, sich um ihren kleinen Sohn zu kümmern, da zwei pädagogische Fachkräfte unabhängig voneinander zu dem Enschluss kamen, dass Finn-Bastian in der Obhut seiner Mutter nicht gefährdet sei. Gewaltsames Verhalten sei nicht zu erkennen gewesen und daher wurde ihr eine positive Prognose bescheinigt.

Laut späteren Zeugenaussagen hätte sich die Mutter auch anfänglich führsorglich um ihr Kind gekümmert. Wahrscheinlich wollte sie allen zeigen, dass sie in der Lage war eine gute Mutter zu sein.

Doch Finn-Bastian war kein pflegeleichtes Kind, er schrie häufig und ließ sich nur schwer beruhigen. Immer mehr fühlte sich seine Mutter überfordert.

Am 02. Juni 2009 sei dann, nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft, die Situation eskaliert. Finn-Bastian lag in seinem Bettchen und habe wieder einmal über einen längeren Zeitraum geschrien. Als alle Beruhigungsversuche misslangen, holte seine Mutter ihn aus dem Bett und warf ihn mit voller Kraft aus etwa 30 Zentimeter Abstand und einer Höhe von 30 bis 40 Zentimeter auf den Wickeltisch. Dort wollte sie ihm seinen Strampelanzug ausziehen und schlug Finn-Bastian dabei mehrmals auf dem Wickeltisch hin und her, sodass sein kleines Köpfchen immer wieder gegen die Umrandung des Wickeltisches prallte. Letztendlich zog sie mit einem heftigen Ruck an seinem Strampelanzug, wodurch Finn-Bastian kopfüber vom Wickeltisch auf den Boden fiel.

Nur durch Zufall kamen zwei Familienangehörige bei Finn-Bastian und seiner Mutter vorbei. Allein durch deren Zutun brachte sie ihren kleinen Sohn schließlich ins Krankenhaus.

Finn-Bastians Herz schlug bereits nicht mehr. Durch die Misshandlungen, im Zusammenhang mit dem Sturz, hatte er eine Unterarmfraktur, mehrere Schädelfrakturen, ein schweres Hirntrauma mit Zerstörung der vorderen Hirnlappen, sowie eine Verformung seines Gehirns erlitten. Den Ärzten gelang es noch Finn-Bastian wiederzubeleben, jedoch mussten sie ihn sodann in ein künstliches Koma versetzen, aus welchem er nicht mehr erwachte. Vier Wochen später, am 29. Juni 2009, erlag er seinen schweren Verletzungen.

Gerichtsurteil:
Finn-Bastians Mutter wurde der Vorwurf gemacht, ihren kleinen Sohn schon vor dem 02. Juni 2009 zweimal misshandelt zu haben. Einmal davon so schwer, dass er Hirnblutungen erlitt.

Im Februar 2010 verurteilte das Landgericht Tübingen die Mutter, wegen Körperverletzung mit Todesfolge, zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Die Staatsanwalt hatte eine wesentlich höhere Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten, aufgrund von Totschlags, gefordert. Das Gericht war allerdings davon überzeugt, dass die Mutter ihren Sohn nicht töten wollte.

Der Tod von Finn-Bastian blieb für die Behörden ohne Konsequenzen. Die Ermittlungen brachten keine Hinweise hinsichtlich eines Fehlverhaltens oder eine Fehleinschätzung der Behörden.

Ein Gutachter, welcher beauftragt worden ist, etwaige Anhaltspunkte hierzu ausfindig zu machen, kam nach Überprüfung der Akten zu dem Entschluss, dass keine fachlichen Fehler seitens des Jugendamtes vorgelegen hätten.