Justin & Celine

Das ist die Geschichte von Justin und Celine. Beide wurden von ihrer Mutter erstickt. Justin im Alter von drei Monaten, am 29. März 2004, und Celine im Alter von achtzehn Monaten, am 28. November 2012.

Anfang 2004 wird Justin geboren, seine Eltern leben in Chemnitz in einer gemeinsamen Wohnung. Doch schon wenige Wochen nach der Geburt suchen beide das Jugendamt auf, da Justins Mutter bereits zwei Mal versucht hatte, ihren kleinen Sohn zu ersticken. Sie schildern einem Jugendamtsmitarbeiter die Situation, einzige Konsequenz hieraus, der Jugendamtsmitarbeiter empfiehlt beiden eine Schuldnerberatung, da das Paar auch von Geldproblemen sprach. Am nächsten Tag wollen beide auch die Mordversuche bei der Polizei zur Anzeige bringen. Doch die Beamten haben an diesem Tag viel zu tun, Justins Eltern werden nicht vernommen. Daraufhin ziehen sie ihre Anzeige zurück und kehren unbehelligt wieder heim.

Am 29. März 2004, Justin ist tot, erstickt von seiner Mutter. Sie hatte ihm zehn Minuten lang Nase und Mund zugehalten. Zunächst wurde von den Ärzten als Ursache plötzlicher Kindstod diagnostiziert. Jedoch „verplapperte“ sich Justins Mutter gegenüber Freunden und es kam zum Prozess.

Im Dezember 2004 wird Justins Mutter wegen Totschlags zu zwei Jahren auf Bewährung und 100 Arbeitsstunden verurteilt. Die Urteilsbegründung fragwürdig: Es sei eine Affekt-Tötung gewesen, aufgrund starker Persönlichkeitsstörung, verursacht durch die Sex-Sucht ihres Lebensgefährten, wodurch sie ihre Wut auf diesen an ihrem kleinen Sohn ausgelebt habe. Auch ihre starke Sehbehinderung, weswegen sie in ihrer Kindheit gemobbt worden ist, war ein Grund für das milde Urteil.

Vier Jahre später, nach Ablauf ihrer Bewährungsstrafe, zieht Justins Mutter nach Magdeburg. Von ihrem Lebensgefährten, dem Vater von Justin, lebte sie inzwischen getrennt. Niemand in Magdeburg erfährt von ihrer Vergangenheit. Auch das Chemnitzer Jugendamt versäumt es, falls Justins Mutter noch einmal ein Kind bekommen sollte, das nun zuständige Magdeburger Jugendamt über den Mord an Justin zu informieren.

Im Jahr 2011 wird Justins Mutter erneut schwanger, von ihrem neuen Lebensgefährten, welcher völlig ahnungslos war. Beide lebten in einer Wohnung, in einem Mehrfamilienhaus, im Magdeburger Stadtteil Neu-Olvenstedt. Dann kommt Celine zur Welt, ihr kleiner Engel, wie sie Celine nannten. Vom Jugendamt in Magdeburg erhalten beide einen standardisierten Mütterbrief über Hilfe- und Beratungsmöglichkeiten. Der Lebensgefährte sah, wie sich seine Frau rührend um Celine kümmerte. Wie Celine von ihrer Mutter schwer misshandelt worden ist, blieb ihm wohl verborgen. Einmal legte sie die kleine Celine in eine Tiefkühltruhe, ein anderes Mal in eine Badewanne mit kaltem Wasser.

Am 25. November 2012 steckte sie die kleine Celine in einen Rucksack und schloss den Reisverschluss. Als sie den Rucksack später wieder öffnete, atmete Celine bereits nicht mehr. Sie rief den Notarzt. Celine konnte zunächst reanimiert werden, kam auf die Intensivstation. Durch den Sauerstoffmangel war Celines Gehirn aber bereits zu stark geschädigt, sodass die Ärzte, am 28. November 2012, den Kampf um das Leben von Celine aufgeben mussten.

Beisetzung:
Am 06. Dezember 2012 wurde Celine in einem weißen Sarg beigesetzt. Auf einer rosa Schleife an einem Herz aus Rosen stand: „Wir sind traurig“

Gerichtsurteil:
Im Prozess wurde geprüft, ob man Celines Mutter nicht wegen Mordes verurteilen könne. Jedoch kam ein Sachverständiger zu dem Ergebnis, dass Celines Mutter nicht erkannt habe, wie grausam sie mit ihrer Tochter umgegangen sei.

Im Februar 2013 wurde die Mutter wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt und eine Unterbringung in einer geschlossenen Klinik wurde angeordnet. Das Gericht sprach ihr eine verminderte Schuldfähigkeit zu, denn in ihrer Kindheit sei sie auch körperlich und sexuell missbraucht worden, wodurch sie noch immer an den post-traumatischen Folgen leidet.

Das Gericht schätzte Celines Mutter als weiterhin gefährlich ein und schloss auch aggressive Durchbrüche gegen fremde Menschen nicht aus. Daher auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt in Uchtspringe. Wann und ob sie jemals als geheilt entlassen wird, ist unklar. Sollte sie allerdings vor Ablauf der Freiheitsstrafe von acht Jahren geheilt sein, müsse sie ihre restliche Strafzeit noch verbüßen. Die Zeit in der geschlossenen Klinik würde auf die Haftstrafe nicht angerechnet werden.

Es ist Irrsinn und unverantwortlich zu glauben, man könnte Menschen, die Kinder töten, heilen. Und trotz zweier Kindsmorde reicht die deutsche Rechtsprechung nicht aus, um diese Frau lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung zu verurteilen.

Warum im Prozess um den Tod von Justin die gefährliche psychische Störung nicht erkannt worden ist und dadurch auch Celine sterben musste, wurde im Prozess, um den Tod von Celine, nicht beantwortet. Man habe sich ausschließlich mit den aktuellen Vorwürfen auseinandergesetzt.