Larissa

Das ist die Geschichte von Larissa aus Dillingen an der Donau. Larissa war vier Jahre alt und ein blondes, aufgewecktes, fröhliches, intelligentes Mädchen. Bis zum 17. Juli 2009, als sie von ihrer Mutter erstickt worden ist.

Larissas Eltern lernten sich in einer Gaststätte kennen, in welcher Larissas Mutter als Bedienung arbeitete. Larissas Vater war dreißig Jahre älter als ihre Mutter, was sie aber nicht davon abhielt im Jahr 2002 in eine große Penthouse-Wohnung im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses zusammen zu ziehen und schließlich im Dezember 2004, als beide ihr erstes Kind erwarteten, zu heiraten. Larissa erblickte einen Monat später das Licht der Welt.

Nach außen hin scheint alles perfekt. Die Wohnung luxuriös eingerichtet, es mangelt an nichts. Der Vater geht seiner Selbstständigkeit nach und bringt das Geld nach Hause und die Mutter kümmert sich um Haushalt und um die gemeinsame Tochter.

Doch über der kleinen Familie lasteten fianzielle Probleme, ausgehend von Larissas Vater. Die Mutter verfolgten Ängste, allein mit den Schulden ihres Mannes da zu stehen. Im Jahr 2008 ging sie zudem eine Affäre mit einem anderen, jüngeren Mann ein und zog auch ganze sieben Mal vorübergehend aus, nach Ulm, zu ihrem Liebhaber. In dieser Zeit, so sagte Larissas Vater später vor Gericht aus, musste der Liebhaber nur anrufen und seine Frau sei zu ihm gefahren. Larissa sah er dann nur alle zwei Wochen, wenn er sie von Samstag auf Sonntag bei sich hatte.

Larissa wollte wohl nicht bei dem neuen Lebensgefährten ihrer Mutter wohnen und machte ihrer Mutter angeblich auch ununterbrochen Vorwürfe, an der Trennung von ihrem Vater Schuld zu sein.

Gegenüber ihrem Vater äußerte Larissa, dass sie nicht mehr nach Ulm möchte und für immer bei ihm, ihrem Vater, bleiben wolle.

Letzt endlich kam die Mutter aber immer wieder zu ihrem Mann zurück. Wahrscheinlich auf Drängen von Larissa, da diese eine sehr innige Beziehung zu ihrem Vater hatte. Auch wollte sie das ständige hin und her nicht mehr.

Doch die Beziehung steht weiterhin unter keinem glücklichen Stern. Irgendwann entschließt sich die Mutter, sich und Larissa zu töten.

Am 17. Juli 2009 kriecht Larissa zur ihrer Mutter ins Bett, um mit ihr noch ein Weilchen zu kuscheln. Ihr Vater sagte später, für Larissa wäre es immer das Größte gewesen, dort Hand in Hand mit ihren Eltern zu liegen. Larissas Vater ist an diesem Tag nicht zu Hause und die Mutter fasst nun den entgültigen Entschluss, sich und ihre Tochter umzubringen.

Während Larissa mit ihrer Mutter einfach nur kuscheln wollte, drückte diese ihr ein Kissen aufs Gesicht. Als sich Larissa nicht mehr wehrte, entfernte ihre Mutter das Kissen. Doch Larissa begann plötzlich wieder zu atmen. Daraufhin trug ihre Mutter sie in die Badewanne, in welcher Larissa ihre Augen zu öffnen begann. Hier gibt es zwei unterschiedliche Aussagen. Die Mutter wollte in der Badewanne ihre Tochter wieder ins Leben zurückholen, aber erstickte und strangulierte sie anschließend mit einem nassen Handtuch, bis kein Puls mehr zu fühlen war. Andere Berichte sprechen nicht davon, dass die Mutter versuchte, ihre Tochter doch noch zu retten. Sondern vielmehr davon, dass sie ihre Tochter in die Badewanne brachte und als diese ihre Augen wieder öffnete, habe die Mutter sie mit einem nassen Handtuch so lange zu ersticken versucht, bis Larrisa keinen Puls mehr hatte.

Sodann informierte sie die Polizei darüber, dass sie ihre Tochter erstickt habe und rief auch ihren Mann an. Gegenüber den Beamten erklärte sie, sie habe Larissa „bewusst und gewollt“ getötet.

Ferner versucht sie, sich selbst zu töten. Sie versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden und ein Messer in den Bauch zu stoßen. Doch die Versuche scheitern, sie bringt es einfach nicht fertig. Lediglich oberflächliche Verletzungen entstehen.

Mehrere Streifenwagen und ein Notarzt eilen zum Mehrfamilienhaus. Doch beim Eintreffen der Beamten ist Larissa bereits tot. Dem Notarzt ist es nicht mehr möglich die kleine Larissa ins Leben zurückzuholen.

Beisetzung:
Larissa wurde am 21. Juli auf dem Friedhof in Dillingen, unter Ausschluss der Öffentichkeit, in aller Stille beigesetzt.

Gerichtsurteil:
Die Staatsanwaltschaft erhob gegen die Mutter Mordanklage und forderte 13 Jahre und sechs Monate Haft. Sie warf der Mutter vor, Larissa nur getötet zu haben, weil diese der neuen Liebe im Wege gestanden habe.

Diesem Vorwurf widersprach allerdings die Mutter. Sie sagte, sie hätte sich von ihrem Ehemann unter Druck gesetzt gefühlt, weil dieser ihr drohte, das Jugendamt einzuschalten und auch bei einer Trennung, hätte er ihr alle Schulden aufgelastet. Sie wusste weder ein noch aus.

Larissas Vater hingegen beteuerte, er habe seine Frau angefleht, ihn nicht zu verlassen. Doch kurz vor der Tat hätte seine Frau ihm mitgeteilt, dass sie sich das Leben nehmen würde. Er sagte zudem, dass seine Frau sehr krank gewesen sei aber auch, dass sie der liebste Mensch sei, dem er in seinem Leben begegnet ist.

Ein psychiatrischer Sachverständiger wurde im Prozess angehört. Er sagte aus, dass zur Tatzeit eine „erhebliche Minderung der Steuerungsfähigkeit“ vorlag. Als Grund gab er eine „krankhafte seelische Störung“ an. Ursache hierfür sei der Trennungskonflikt gewesen. Seinen Aussagen zufolge litt Larissas Mutter an einer schweren Depression. Weiterhin handelte es sich hier um eine einmalige Tat, eine weitere Gefahr würde von Larissas Mutter nicht ausgehen.

Im April 2010 wurde Larissas Mutter wegen Mordes zu elf Jahren Haft verurteilt. Aufgrund der Aussagen des Gerichtspsychiaters kam eine lebenslange Haft für das Gericht nicht infrage. Das Urteil war rechtskräftig.

In seiner Urteilsbegründung sprach der Vorsitzende Richter von einer „nicht nachvollziehbaren und vermeidbaren Tat“. Larissas Mutter sei heimtückisch vorgegangen und habe die Gutgläubigkeit und Wehrlosigkeit ihrer Tochter ausgenutzt. Als Larissa mit ihrer Mutter kuscheln wollte, versuchte diese sie mit einem Kissen zu ersticken. Bei dieser Handlung und den weiteren von insgesamt drei Erstickungsversuchen, habe sie erhebliche kriminelle Energie eingesetzt.

Larissas Mutter versicherte, dass ihr die Tat unendlich leid täte und sie sich dafür selbst hassen würde.