Maximilian

Jedes Jahr werden in Deutschland Kinder von ihren Eltern totgeschlagen. Viele Vorfälle werden später als Unfall deklariert oder dem schwarzen Mann zugeschrieben. Dabei wird die Tat, der wahren Mörder, oft verschleiert– die der eigenen Eltern.

Ein tragisches Beispiel hierfür ist ein Junge, Tobias, der 1993 in Bamberg von den eigenen Eltern getötet und zersägt wurde. Sie gaben an, ihr Sohn sei entführt worden, und forderten, den mutmaßlichen Täter, zur Herausgabe ihres Sohnes auf. Die sterblichen Überreste von Tobias wurden letztendlich in einer Müllverbrennungsanlage gefunden.

Und hier beginnt die Geschichte von Maximilian. Im fränkischen Wirsbach verschwand der dreijährige Junge am 12. April 1995, laut Angaben der Eltern, spurlos. Zuvor hatte er angeblich noch mit seinem Zwillingsbruder vor dem Haus gespielt, bis ein Mann mit ihm weggefahren sei. Seine Mutter habe seinen großen Bruder abholen wollen und während sie sich fertigmachte, nicht auf die beiden Zwillinge geachtet. Seltsamerweise gab es keine Hinweise, denen man hätte nachgehen können, keine Forderungen irgendwelcher Entführer. Das Gebiet wurde weiträumig abgesucht durch Hundestaffeln und Hubschrauber sowie Taucher und sogar der Müll wurde durchkämmt, stets in dem Bemühen, keine Parallelen zum vorangegangenen Fall von Tobias aus Bamberg zu ziehen.

Drei Wochen nach seinem Verschwinden, wurden dann Maximilians Überreste in einem ca. 15 km weit entfernten Waldstück von einem Jogger entdeckt. Daraufhin wurde die Mutter wegen Tatverdachts festgenommen. Diese galt bis dahin als gewalttätig, eine Außenseiterin, die in Scheidung von ihrem mosambikanischen Ehemann lebte und Sozialhilfe bezog. Laut Nachbarn waren ihre Kinder oft mit blauen Flecken und eingebundenen Händen gesehen worden. Und ein fremder Wagen, gar eine unbekannte Person, wäre in dem kleinen Ort aufgefallen.

Die Tötung von Maximilian wurde vor dem Landgericht Bayreuth aufgearbeitet. Die Staatsanwaltschaft legte der Mutter sowie auch dem Exmann Mord und Vortäuschung einer Straftat zur Last, der Mutter zusätzlich Körperverletzung mit Todesfolge.

Laut dem Exmann, der am Tatabend des 09. April 1995 zu Besuch war, verweigerte Maximilian das Essen, worauf ihn die Mutter schlug und erzürnt mit dem Kopf schwer gegen die Wand stieß. Er habe noch versucht seine Exfrau davon abzuhalten, doch diese habe ihm jede Einmischung in ihre Handlungen verboten. Danach nahm sie den kleinen Maximilan und duschte ihn im Bad ab. Er folgte den beiden und habe anschließend beim Abtrocknen den geschwollenen Bauch bemerkt, darauf gedrückt, worauf Flüssigkeit aus Maximilians Mund gekommen sei. Er hatte einen Notarzt rufen wollen, die Mutter untersagte ihm dies allerdings mit der Begründung, der Junge markiere ja nur. Sie leitete schließlich noch Wiederbelebungsmaßnahmen ein, doch Maximilian starb an seinem eigenen Erbrochenen. Nach dessen Tod habe er aus Angst geschwiegen, dass ihm keiner glaubte. Mit dem Einverständnis der Mutter hatte er seinen Sohn dann drei Tage später in einem nahen Waldstück abgelegt, ehe sie dessen Entführung vortäuschten.

Die Mutter hingegen beschuldigte den Vater, das Kind in der Abstellkammer mit dem Fleischklopfer verprügelt zu haben. Danach hätte Maximilian am ganzen Körper blaue Flecken gehabt, als sie ihn abduschte. Auch in ihrer Version starb Maximilian durch Ersticken, was sich später als Todesfolge herausstellte. Sie habe den Jungen in eine Decke gewickelt hinter das Bett gelegt. Zwei Tage später überredete ihr Exmann sie, eine Entführung des Jungen vorzutäuschen. Er nahm die Leiche und brachte sie in ein Waldstück, um sie dort zu verbrennen und zu verscharren.

Gerichtsurteil:
Während des Prozesses rückte das Versagen des Kulmbacher Jugendamtes vermehrt in den Mittelpunkt und die Frage, ob Maximilian noch leben würde, wenn eher eingegriffen worden wäre. Der Vater hatte alles versucht, damit die Kinder der Mutter entzogen werden, doch es sei nichts passiert.

Im April 1996 wurde schließlich Maximilians Mutter, die nach dem Tod von Maximilian ihr viertes Kind zur Welt gebracht hatte, zu sechseinhalb Jahren Haft wegen tödlicher Misshandlung verurteilt. Das Gericht sah ihre Schuld in allen Anklagepunkten als erwiesen an. Darüber, ob auch der Exmann eine Mitschuld am Tod von Maximilian hatte und ebenfalls verurteilt wurde sind leider keine Aufzeichungen vorhanden.