Odilie & Maria

Das ist die Geschichte der Geschwister Odilie und Maria aus Hammah (Niedersachsen). Die zwei kleinen Mädchen wurden in der Nacht zum 04. Juni 2011 von ihrer Mutter gewürgt und anschließend erstochen. Odilie durfte nur fünf Jahre alt werden. Maria starb mit drei Jahren.

Die 41-jährige Mutter trennte sich von ihrem Mann und zog im März 2011 mit Odilie und Maria in eine neue Wohnung nach Niedersachsen. Zuvor lebte die Familie gemeinsam in Baden-Württemberg. Der Vater zog in eine 20 km entfernte Wohnung, um in der Nähe seiner Kinder bleiben zu können. Er besuchte Odilie und Maria alle zwei Tage, half beim Aufbau der Kindermöbel und hatte ein liebevolles Verhältnis zu seinen Töchtern. Die Eltern planten sogar einen gemeinsamen Neustart ab Juli 2011 in einer neuen Wohnung.

Doch dazu kam es leider nie. In der Nacht zum 04. Juni schliefen Odilie und Maria seelenruhig in ihren Betten, nachdem die Mutter ihnen eine Überdosis Schlafmittel verabreichte. Mit einem Bademantelgürtel erwürgte sie zuerst die 3-jährige Maria und stach dann mit einem Messer auf sie ein. Ihr kleiner Körper war übersät mit 36 Stich- und Schnittverletzungen.

Auch Odilie schlief tief und fest und war ihrer Mutter hilflos ausgeliefert. Sie wurde ebenfalls mit dem Bademantelgürtel erwürgt und im Anschluss erstochen. Fünf der insgesamt 26 Stiche befanden sich an den Lungenflügeln.

Nachdem die Mutter ihre Kinder umbrachte, wollte sie auch sich selbst das Leben nehmen. Es blieb jedoch bei einer nicht lebensbedrohlichen Verletzung an der Hand. Sie verließ dann die Wohnung und klingelte um 1:30 Uhr bei Freunden, die im gleichen Dorf wohnten. Die Mutter erwähnte lediglich, dass mit ihren Töchtern etwas Schlimmes passiert sei. Weiter äußerte sie sich nicht dazu. Die Freunde alarmierten umgehend Polizei und Rettungsdienst. Die Ärzte konnten jedoch nichts mehr für Odilie und Maria tun und nur noch deren Tod feststellen.

Der 48-jährige Vater erlitt einen schweren Schock als er über den Tod seiner Töchter informiert wurde und brach zusammen.

Über die Beisetzung der kleinen Mädchen liegen keine Informationen vor.

Gerichtsurteil:
Die Mutter hatte die Tat sofort gestanden, weshalb sie noch in der Mordnacht festgenommen wurde. Zunächst brachte man sie jedoch zur Versorgung ihrer Verletzungen in ein Krankenhaus. Nach kurzem Polizeigewahrsam beschloss das Amtsgericht die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

Bereits vor dem Tod von Odilie und Maria wurde die Mutter wegen Verfolgungswahn, Depressionen und Angstzuständen psychologisch behandelt. In der Nacht zum 04. Juni 2011 sei sie aufgewacht und innere Stimmen hatten ihr befohlen, ihre Kinder zu töten.

Die psychische Erkrankung der Mutter wurde allerdings erst nach dem Tod der Mädchen diagnostiziert. Aufgrunddessen ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Mutter schuldunfähig ist und beantragte die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie.

Einwohner in Hammah und Freunde der Familie berichteten, dass die Mutter zwar sehr ruhig, aber stets freundlich war und sich sehr gut um ihre Kinder kümmerte. Niemand ahnte auch nur im Ansatz eine solch grauenvolle Tat. Doch der Schein trügte. Sowohl was die Psyche der Mutter betraf als auch der Allgemeinzustand der kleinen Mädchen. Die Obduktion ließ vermuten, dass sie mit Odilie und Maria überfordert war. Beide Kinder hatten Symptome von Mangelerscheinungen, die Zähne waren in schlechtem Zustand und ein Armbruch bei Odilie war nicht richtig verheilt.

Ärzte und Psychologen diagnostizierten eine psychische Erkrankung und stuften sie als akut selbstmordgefährdet ein. Daher kam es nicht zu einem Strafprozess mit Mordanklage, sondern das Landgericht entschied in einem sogenannten Sicherungsverfahren, dass die Mutter dauerhaft in der Psychiatrie bleiben muss. Entlassen werden diese „schuldunfähigen“ Straftäter erst dann, wenn sie für die Allgemeinheit keine Gefahr mehr darstellen.

Im Schlusswort vor Gericht sagte die Mutter nochmals, dass ihr der Tod von Odilie und Maria schrecklich leid tue und sie sich mit einem Leben ohne ihre Kinder bereits selbst gestraft hat. Sie sei zugleich Täterin und Opfer, betonte ihr Anwalt.