Tim

Das ist die Geschichte des zweijährigen Tim aus Elmshorn in Schleswig-Holstein. Er starb, am 08. November 2005, nach heftiger Misshandlung, an einer Hirnschwellung.

Tim lebte alleine mit seiner Mutter zusammen. Tims Eltern hatten sich getrennt, aber sein Vater nahm regelmäßig die Besuchstermine wahr. Auch Tims Mutter war nicht auffällig, dem Jugendamt war die Familie nicht bekannt. Ebenso wohnten Tims Großeltern ganz in der Nähe, im Haus gegenüber. Auch der der neue Lebensgefährte seiner Mutter, mit dem sie seit einem halben Jahr liiert war, wohnte in einer Wohnung direkt im Haus nebenan. Tim und er verstanden sich wohl gut. Die Großmutter allerdings hatte Bedenken, was den neuen Lebensgefährten betraf, denn seit Tims Mutter mit ihm zusammen war, sah die Großmutter Tim immer seltener. Auch Nachbarn berichteten, dass der neue Lebensgefährte Tim sehr viel angeschrien habe und er sehr oft weinen würde.

Tim musste aber dennoch viel Zeit mit dem neuen Lebensgefährten verbringen. Dieser übernahm so eine Art „Erzieherrolle“, da seine Mutter, nach Aussagen des Lebensgefährten, mit Tim überfordert gewesen sei. Auch im November wurde Tim von seiner Mutter wieder, für mehrere Tage, dem Lebensgefährten übergeben. Dieser wollte Tim Benehmen beibringen. Allerdings kam der Lebensgefährte nicht mit Tim zurecht. Er wollte dem erst zweijährigen kleinen Tim beibringen, alleine ins Bett zu gehen und alleine zu essen. Am Abend gab es keine Gute Nacht Geschichte und beim Aufwachen am Morgen herrschte Drill, statt sanftes aufwecken. Der Lebensgefährte vergaß anscheinend vollkommen, dass er es hier mit einem Kleinkind zu tun hatte, was einfach noch nicht in der Lage war, die geforderten Dinge umzusetzen. Anstatt liebevoll auf Tim einzuwirken, ihn bei Dingen zu unterstützen, die er noch nicht selbst konnte, ihm die Nähe und Zärtlichkeit zu geben die er brauchte, herrschte nur Strenge und Befehlston. Tims Mutter schaute in diesen Tagen nicht einmal nach ihrem Sohn.

Was genau am Abend des 08. November 2005 passiert ist, wird wohl immer unklar bleiben. Es ist lediglich bekannt,  dass der Lebensgefährte Tim so stark misshandelte, dass sein Kopf mehrfach auf einer harten Fläche aufschlug. Sehr wahrscheinlich gegen eine Wand prallte. Tim muss unendlich stark geschrien haben, aber der Lebensgefährte machte weiter. Tims Mutter hörte vom Todeskampf ihres Sohnes nichts, obwohl sich ihre Wohnung Wand an Wand mit der ihres Lebensgefährten befand.

Nachdem Tim an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben war, packte er den kleinen Jungen am nächsten Morgen in eine Sporttasche und versteckte diese, in der Nähe der Wohnung, auf einem Grundstück.

Fast zwei Tage später, es war Abend, teilte der Lebensgefährte der Mutter mit, er habe Tim wieder zurückgebracht und direkt in sein Bett zum Schlafen gelegt. Er sagte ihr, sie solle doch später noch mal nach ihrem Sohn schauen. Es war gegen 23 Uhr, als sie dann auch mal ins Zimmer ging, um nach ihren Sohn zu sehen. Allerdings lag Tim nicht, wie vom Lebensgefährten angegeben, in seinem Bett. Kurze Zeit später meldete sie Tim als vermisst.

Aus Angst, noch einmal um das Sorgerecht mit Tims leiblichem Vater streiten zu müssen, erzählte sie der Polizei eine andere Geschichte. Sie erwähnte nicht, dass Tim oft und auch die letzten Tage beim Lebensgefährten verbracht hatte. Sie log und sagte den Beamten, sie habe Tim zu Bett gebracht und dann war er weg. Vielleicht entführt oder davon gelaufen.

Am 10. November 2005 sucht die Polizei die nahe Umgebung nach Tim ab. Vier Tage später, am 14. November 2005, wird „Soko Tim“ gegründet, mit einer 30-köpfigen Sonderkommission. Noch einmal zwei Tage vergehen, bis die Beamten Tim, am 16. November 2005, tot in der Sporttasche, auf dem Nachbargrundstück, finden.

Laut Gutachten ist Tim an einer schwerstgradigen Hirnschwellung, sowie der Einklemmung vitaler Zentren, gestorben. Sehr wahrscheinlich ist, dass Tim innerhalb von Minunten diesen Verletzungen erlegen ist. Tim wies auch ältere Verletzungen auf, die ihm bereits vor seinem Tod zugefügt worden sein müssen, wodurch er, über Stunden, schlimme Schmerzen erleiden musste.

Beisetzung:
Der kleine Tim wurde am 22. November 2005, auf Wunsch seiner Mutter, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nur im engsten Familienkreis, auf dem Friedhof in Elmshorn, in einem weißen Sarg beigesetzt.

Tims Mutter sagte einige Jahre später, dass ihr das Leben ohne ihren kleinen Sohn immer noch schwer fallen würde.

Gerichtsurteil:
Der Lebensgefährte wird im März 2006 wegen Todschlags zu dreizehn Jahren Haft verurteilt. Am 03. August 2006 wird jedoch das Urteil vom Bundesgerichtshof teilweise aufgehoben, da die Begründung für das Urteil nicht ausreichte. Zwar wird der Schuldspruch anerkannt, jedoch über das Straßmaß, welches nur zwei Jahre unter der Höchstrafe lag, neu verhandelt. Am 05. März 2007 wird die Haftstrafe auf elf Jahre reduziert.

Der zuständige Richter erklärte hierzu, dass man nicht davon ausgehen könne, dass Tim eine längere und schwere Leidenszeit durchgemacht habe.