Timo

Das ist die Geschichte des fünfzehn Monate alten Timo. Er starb, am 14. Dezember 2000, in Köln, an den Folgen schwerer Misshandlungen.

Timo lebte mit seiner Mutter, seiner zweieinhalbjährigen Schwester, sowie dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter, zusammen. Am 08. November 2000 wurde das Jugendamt durch die Remscheider Kinderklinik auf die Familie aufmerksam, da Timos Schwester dort in Behandlung war. Die Ärzte hegten aufgrund der Verletzungen den Verdacht, dass Timos Schwester misshandelt worden war.

Bei einem Termin mit Timos Mutter am 10. November 2000, wurde diese seitens einer Jugendamtsmitarbeiterin darüber aufgeklärt, dass sie ihre Kinder vor ihrem neuen Lebensgefährten zu schützen habe, denn der Verdacht lag nahe, dass dieser für die Verletzungen von Timos Schwester verantwortlich war. Timos Mutter willigte ein, gegen ihren Lebensgefährten Anzeige zu erstatten und versicherte der Jugendamtsmitarbeiterin, sie würde ihre Kinder zur Sicherheit für die nächsten Tage in Obhut der Oma geben.

Drei Tage später wurde der Lebensgefährte vom Jugendamt über den bestehenden Verdacht der Kindesmisshandlung informiert. Der Lebensgefährte wies jedoch alle Schuld von sich und drohte seinerseits mit der Beauftragung eines Anwalts.

Am 15. November 2000 suchte das Jugendamt Timos Mutter daheim auf. Laut Jugendamt habe sich die Wohnung in einem sauberen und ordentlichen Zustand befunden. Timos Mutter habe versichert, dass ihrerseits kein Kontakt mehr zum Lebensgefährten bestünde. Timo ging es gut, seine Schwester schlief zu diesem Zeitpunkt.

Bei einem erneuten Hausbesuch, sieben Tage später, teilte die Mutter dem Jugendamt mit, Timo und seine Schwester könnten nun von der Oma und ihrer Schwester betreut werden. Allerdings wurde, am 06. Dezember 2000, ein Mitarbeiter des Jugendamtes abermals durch die Kinderklinik über den Verdacht informiert, Timos Schwester könnte misshandelt worden sein. Da Timos Schwester nicht in der Klinik behalten wurde sondern ihrer Mutter wieder mitgegeben worden ist, wurde die Familie noch einmal vom Jugendamt aufgesucht. Jedoch blieb die Wohnungstür für die Mitarbeiter des Jugendamtes verschlossen, worauf man sie telefonisch zu erreichen versuchte und direkt zum Jugendamt bestellte.

Bei diesem Termin wurde festgestellt, dass Timos Schwester zahlreiche blaue Flecken aufwies. Daraufhin wurde sie sofort ins Krankenhaus gebracht. Timos Mutter gab an, ihr kleines Mädchen hätte sich diese Verletzungen beim nächtlichen Möbelrücken zugezogen. Ein Arzt sagte allerdings später aus, Timos Schwester sei mit blauen Flecken nur so übersät gewesen und er vermutete, sie sei gezielt gequält worden. Weiterhin sei Timos Schwester schwer traumatisiert gewesen, sie wies keinerlei Mimik auf, lachte und spielte nicht, sie hatte einfach nur Angst.

Timos Schwester stand jetzt unter dem Schutz des Jugendamtes, doch Timo wurde vergessen. Bis er am 09 . Dezember 2000 durch den Lebensgefährten so brutal misshandelt wurde, dass er gegen Mitternacht in ein Krankenhaus eingeliefert worden ist. Timo war bewusstlos, hatte stark erweiterte Pupillen und musste reanimiert werden, bevor er ins Remscheider Klinikum gebracht wurde. Nach erfolgreicher Reanimierung wurde Timo, der sich in akuter Lebensgefahr befand, nach Köln gebracht. Dort verstarb er, am 14. Dezember 2000, an einer Gehirnblutung, vermutlich ausgelöst durch ein Schütteltrauma.

Nachtrag:
Seitens des Jugendamtes wurde keine Erklärung abgegeben, warum bei Timo keine Schutzmaßnahmen ergriffen worden sind. Als Konsequenz wurde durch die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Mitarbeiter des Jugendamtes eröffnet.
Über den Prozess, sowie das ergangene Urteil, sind keine Informationen mehr vorhanden.